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Blockchain für smarte Policen

Blockchain-Technologie ist viel mehr als nur Bitcoin. Blockchain ist eine Softwarearchitektur, die als sicheres, digitales Protokoll für Transaktionen, Informationen und Werte dient. Geschäftsregeln, Vertragsklauseln und Prozessschritte können in einer Blockchain modelliert und automatisiert verarbeitet werden. Einfach gesagt, kann eine Blockchain Vertrauen zwischen 2 oder mehr Parteien herstellen. Vertrauen ist ein sehr wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Wirtschaftsräume, in denen die unterschiedlichen Akteure sich vertrauen, sind in der Regel erfolgreicher. Blockchain-Technologie kann in Punkto Vertrauen grosse Verbesserungen bringen. Die Technologie kann beispielsweise Mittelsmänner wie Notare oder Broker ersetzen.

Die Technologie sorgt für einen sicheren, schnellen und effizienten Informationsaustausch in dezentralisierten Bereichen wie beispielsweise Urheberrecht im digitalen Raum oder Management von Lieferketten. Blockchain-Technologie hat auch das Potenzial, viele Vorgänge in der Versicherungsindustrie fundamental zu verändern.

Blockchain Competition 2017

Entsprechend wurde Blockchain in den letzten 2 Jahren von namhaften Analysten als disruptive Technologie angepriesen – vom Impact her vergleichbar mit dem Internet. In der Zwischenzeit hat sich der Hype um Blockchain etwas relativiert und kritische Stimmen melden sich zu Wort, wie beispielsweise in diesem Artikel von Coinspondent.

 

 

Sicher ist: Konzepte und Ideen werden viele genannt, aber konkrete Anwendungen der Blockchain-Technologie für die breite Masse stehen noch kaum zur Verfügung. Um weitere Ideen für den Einsatz von Blockchain in der Versicherungsbranche zu finden, wurde kürzlich die Blockchain Competition 2017 ausgerufen. Die Firmen Lakeside Partners und inacta im Crypto-Valley in Zug suchen die beste Blockchain Idee im Bereich InsurTech. Bewerbungen können bis 30. Juli 2017 eingereicht werden und dem Gewinner winken stattliche 100‘000 US$.

Smart Contracts

Versicherer interessieren sich für „Smart Contracts“, wie sie bei Blockchain heissen. Smart Contracts könnten zu einer der wichtigsten Blockchain-Anwendungen für Unternehmen werden.

Einsatzbeispiele könnten Mikroversicherungen mit niedrigen Abwicklungskosten sein, mit denen sich beispielsweise Landwirte gegen Ernteausfälle schützen können. Bislang ist das Kleingeschäft für beide Seiten wenig lukrativ. Der Versicherer muss seinen gesamten Verwaltungsapparat in Bewegung setzen, selbst bei überschaubaren Summen. Das macht die Police teuer. Folge: Mangels Angebot und Nachfrage kommen selten Verträge zustande. Mit Smart Contracts basierend auf Blockchain-Technologie sind die Abschlusskosten nahezu null.

Was ist ein intelligenter Vertrag und welche Vorteile kennzeichnen ihn?

Ein Smart Contract ist ein Stück Software, das in der Lage ist, unter Verwendung der Blockchain-Technologie die Verhandlung eines rechtlich bindenden Vertrags zu erleichtern und die Durchsetzung des Vertrags sicherzustellen. Vorteile von Smart Contracts sind exemplarisch:

  • Informationen können vertraulich ausgetauscht werden, ohne dass unbefugte Dritte Zugriff auf die Informationen haben.
  • Alle involvierten Parteien können feststellen, falls eine Vertragsinformation durch eine der Parteien verändert worden ist. Es können beispielsweise nicht wie bei einem Papier basierten Vertrag einzelne Seiten unbemerkt ausgetauscht werden.
  • Ohne Beizug eines Notars wird nachvollziehbar sichergestellt, dass alle Parteien den Vertrag rechtsgültig elektronisch unterzeichnen.
  • Die Einhaltung von Fristen (wann wurde der Vertrag erhalten, wann wurde er unterzeichnet?) oder die Gültigkeit von Unterschriften (sind die Unterzeichnenden im Handelsregister eingetragen) kann automatisiert kontrolliert werden. Es sind weitere smarte Elemente denkbar, wie z.B. die automatische Auslösung einer Zahlung beim Überschreiten einer Frist.

 

Einsatz in der Praxis

Das Potenzial solcher schlauer Verträge ist somit unbestreitbar hoch. Mögliche Anwendungen in der Versicherungsbranche sind internationale Programme mit vielen involvierten transnationalen Stellen oder die Durchführung von Ausschreibungen auf einer Broker-Plattform.

Ein weiteres Einsatzbeispiel könnte die administrative Abwicklung zwischen Erst- und Rückversicherern sein, die mittels Smart Contracts schneller, transparenter und kostengünstiger erfolgen kann.

Natürlich stehen der Anwendung per heute noch IT-technische und rechtliche Hürden im Weg. So handelt es sich bei vielen Blockchain Implementierungen noch um Prototypen im Betastadium. Und spätestens bei länderübergreifenden Verträgen sind die rechtlichen Implikationen noch kaum geklärt.

So kam auch eine im Januar 2017 durch die IT-Security Firma AdNovum organisierte Veranstaltung „Blockchain-Technologie für Versicherungen“ zum eher unspektakulären Schluss, dass noch keine klare Aussage gemacht werden kann, wohin die Reise geht. Weiter wurde aber gefolgert: „Blockchain-Technologie scheint das Potential zu haben, bestehende Geschäftsmodelle zu verändern oder in Frage zu stellen. Insofern wird jeder Anbieter (…) eine eigene Strategie entwickeln müssen. Der Aufbau von Wissen und Partnerschaften mit Anbietern von Blockchain-/Smart-Contract-Implementationsfähigkeiten ist zwingend anzugehen, um bei zunehmender Nutzung dieser Technologien überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben.“

Consor wird die Entwicklung weiter verfolgen und die Möglichkeit prüfen, Smart-Contract Fähigkeit in Consor Universal zu implementieren.