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Interview mit Urs Lüthy, Zurich Insurance Company Ltd

Wir haben Herrn Urs Lüthy, Head of Customer, Distribution & Marketing der Zurich Insurance Company Ltd, zu einem Interview eingeladen.

Herr Lüthy, die Zürich ist einer der grossen Player im globalen Industriegeschäft. Über diesen Bereich möchten wir gerne mit Ihnen reden. Welches strategische Thema würden Sie hier ganz spontan herauspicken, das Sie auch für die Zukunft als wichtig erachten?

Urs Lüthy, Zurich InsuranceDie weltweite Risikolandschaft und wie wir sie wahrnehmen hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder grundlegend verändert. Unternehmen sehen sich heute einer Vielzahl verschiedenster Risiken ausgesetzt: vom makroökonomischen Umfeld über politische und rechtliche Veränderungen bis hin zu Cybervorfällen und Lieferkettenunterbrechungen.

So verschieden die Risiken in unserem heutigen Umfeld auch sein mögen, sie haben eines gemeinsam: Sie sind alle mit einander vernetzt. Und genau diese Verkettung von Risiken erachte ich als eines der zentralen Themen der heutigen Zeit. In der Vergangenheit konnten wir die einzelnen Risiken losgelöst von einander analysieren und Lösungen dafür erarbeiten. Aufgrund der Globalisierung und Digitalisierung ist dies heute nicht mehr so einfach möglich. Denn auch wenn die einzelnen Risiken vielleicht bekannt und greifbar sind – was gar nicht immer der Fall ist – zusammengenommen können sie ein erhebliches, unvorhersehbares Bedrohungspotenzial darstellen. So wird die Verkettung von globalen Risiken also sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft vor ganz neue Herausforderungen stellen.

Aus welchen Bereichen entstehen diese Risiken?

Unternehmen sind verschiedensten Risiken ausgesetzt. Diese lassen sich grob in folgende Kategorien einordnen: makroökonomische, geopolitische und technologische Risiken.

Unter makroökonomischen Risiken werden all diejenigen Risiken subsummiert, die sich aus dem weltweiten Wirtschaftsgeschehen ergeben. Dazu gehören Inflation und Deflation, Wechselkursschwankungen und Veränderungen der Aktien- und Rohstoffpreise. Hinzu kommt, dass sich global vernetzte Unternehmen immer häufiger veränderten gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ausgesetzt sehen. Sie alle stellen ein potentielles Risiko nicht nur für die Unternehmen selbst dar, sondern für alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette.

Zu den geopolitischen Risiken gehören politische Instabilität, fehlende Rechtsgrundlagen und staatliche Willkür. Unternehmen, die in einer instabilen Region tätig sind, müssen also mit erheblichen Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit rechnen, wie zum Beispiel Steuererhöhungen, Zölle, Ausfuhrverbote oder Enteignungen. Latent waren geopolitische Risiken schon immer vorhanden. Es sind die jüngsten überraschenden Geschehnisse mit hoher Visibilität, die das Bewusstsein dafür verstärken.

Im Zeitalter der Digitalisierung spielen nicht mehr nur Gefahren wie Naturkatastrophen eine Rolle, sondern zunehmend auch Nicht-Schaden-Ereignisse wie Cybervorfälle. So gehören Cyberrisiken schon längst zu den globalen, systemischen Risiken. Die Zugangswege für Angreifer sind vielfältig: Viren, Trojaner und Social Engineering, also das Ausnutzen des Faktors „Mensch“, sind nur die bekanntesten Beispiele. Die zunehmende Mobilität, Cloud-Services und der Einsatz privater Endgeräte gefährden die Sicherheit zusätzlich. Studien schätzen, dass die Cyberkriminalität im Jahre 2019 die globale Wirtschaft über 2000 Milliarden US-Dollar kosten wird. 2021 sollen es sogar 6000 Milliarden US-Dollar sein. Aber auch einfache IT-Ausfälle können Schäden ungeahnten Ausmasses, insbesondere in Form von Betriebsunterbrechungen, darstellen. Gleichzeitig nehmen die Datenschutzbestimmungen rasant zu, und stellen auf ihre Weise Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Was bedeuten diese globalen Risiken für Versicherungen?

Unsere Aufgabe als Versicherer ist es, ständig neue Trends und Risiken zu identifizieren und analysieren, und das Bewusstsein der Unternehmen für mögliche Auswirkungen zu stärken. So unterstützen wir Unternehmen dabei, sich aktiv mit globalen Risiken zu beschäftigen und diese im Rahmen eines umfassenden Risikomanagements zu bewerten. Die Fragen dabei könnten in etwa lauten:

  • Welche Risiken können Lieferketten, Einkauf oder Rohstoffbeschaffung beinträchtigen?
  • Welche Risiken können Kunden oder Geschäftspartner beeinflussen?
  • Existieren Risiken, die unternehmensinterne Prozesse belasten können?
  • Welche Länder sind betroffen, in denen das Unternehmen tätig ist oder tätig werden möchte?

Zu unseren Kerntätigkeiten gehört natürlich auch, Unternehmen beim Risiko- und Krisenmanagement die Hand zu reichen und neue, innovative Versicherungslösungen zu entwickeln.

Besten Dank für das Interview!