Internationale Versicherungsprogramme zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit

Am 11./12. Februar fand in Düsseldorf der 6. MCC Fachkongress Industrieversicherung statt. Neben Trendthemen wie Cyber- oder D&O-Versicherungen bildeten die Internationalen Versicherungsprogramme (IVPs) einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Die heiss diskutierte Frage lautete: Was vermögen IVPs zu leisten? Welche Möglichkeiten bieten sie und welche – vor allem Compliance- Hürden stehen im Weg?

 

Herausforderungen auf internationaler Ebene

Dr. Dirk Schilling, Head of Casualty Guidance and Captive Services, HDI Global SE, sprach einige bevorstehende internationale Herausforderungen an. So führte er aus, dass der Brexit zu einigen Unsicherheiten für bestehende und neu abzuschliessende Policen führt. Wenn die so genannte Dienstleistungsfreiheit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nicht mehr gilt, müssten Policen allenfalls neu nach lokal geltendem Recht abgeschlossen werden.
Ob Übergangsfristen gelten, ob gewisse Sparten in den Run-off geschickt werden müssen, oder ob EU-Versicherer für internationale Programme künftig Lokalpolicen bei UK-Versicherern abschliessen müssen, ist aktuell noch reichlich unklar.

Weiter wurden Besonderheiten im chinesischen und US-amerikanischen Versicherungsmarkt diskutiert. So ist beispielsweise in den USA ein Filing von Wordings für jeden einzelnen Bundesstaat erforderlich, im dem die angebotenen Deckungen gelten sollen. Und in China müssen die Versicherer für jede Provinz eine eigene Lizenz beantragen.

 

Weshalb sind internationale Programme überhaupt wichtig und zunehmend relevant?

Dr. Schilling führte dazu aus, dass IVPs quasi einen Kompromiss darstellen zwischen globalen «One-Size-fits-all» Policen und sehr dezentralen «Lokalfürstentum »-Lösungen. Globale Policen sind vor allem aufgrund der regulatorischen Risiken auf absehbare Zeit nicht realistisch. Eine unabhängige, lokale Lösung in jedem Land kann zwar umgesetzt werden, ist aber einerseits prämienintensiv für den Kunden und lässt keine Koordination der Deckungen zu.

So bleiben als pragmatische Lösung nur gut austarierte internationale Versicherungsprogramme übrig. Diese bieten einen aufeinander abgestimmten Versicherungsschutz über die verschiedenen Länder hinweg. Länderbesonderheiten können berücksichtigt werden und die Kosten für die Versicherungslösung bleiben für den Kunden unter Kontrolle.

Grenzen internationaler Versicherungsprogramme

Auch IVPs können nicht alle Herausforderungen im internationalen Geschäft beseitigen. So kann ein Carrier zwar in gewissen Ländern Deckungen anbieten, ohne selber in dem betreffenden Land eine aufsichtsrechtliche Genehmigung zu haben («Non Admitted»). Viele Länder verbieten es aber auch, dass Risiken «von aussen» gezeichnet werden («Not Allowed»). HDI bezeichnet diese Länder als NANA-Länder – Non Admitted, Notn Allowed. Dazu zählen grosse Schwellenländer wie Mexico, Brasilien oder Indien.
Ein Versicherungskunde mit Tochtergesellschaften in einem NANA-Land hat somit ein Problem: Er kann diese Tochtergesellschaften üblicherweise nicht unter der Masterpolice des IVPs versichern.

Abhilfte bieten hier potenziell Business-Continuity-Interest Klauseln (BCI). Dabei wird der Schaden, den eine ausländische Tochtergesellschaft erleidet, in die Bilanz der Muttergesellschaft übertragen. Es entstehend also Vermögenseinbussen für die z.B. in Deutschland ansässige Muttergesellschaft, die durch die Versicherung in Deutschland ausgeglichen werden. Ob BCI Klauseln compliant sind mit lokalen Steuer- und Versicherungsregulierungen muss aber auch wieder länderspezifisch abgeklärt werden.

Fazit

Letztlich kann das Fazit gezogen werden, dass es bei grenzüberschreitenden Versicherungen keine «Silver Bullet» Lösung gibt. Eine mittelständische Unternehmung mit 2,3 wenigen Niederlassungen in der EU braucht kein IVP, während ein integrierter Konzern mit globaler Produktion und Verkaufsstätten auf mehreren Kontinenten mit einem IVP einerseits Kosten sparen und andererseits Risiken optimieren kann.

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